fairaudio Testbericht

Krell Illusion / Duo 300 im Test bei fairaudio.de

KRELL-Illusion-07

Die Krell Illusion richtet sich eher an den perfektionistisch-anspruchsvollen Intensivhörer als an Kunden, die das Besondere eines teuren HiFi-Gerätes von der ersten Sekunde an unter die Nase gerieben bekommen wollen – klingt sie im ersten Moment doch ähnlich wie viele andere auf Neutralität und „Nichteinmischung“ getrimmte, gute Geräte, treibt dieses Ansinnen aber mehr oder weniger subtil auf die Spitze. Die Illusion ist sicherlich so etwas wie der metallgewordene Traum von Toningenieuren. Aber auch ein Gerät, das vor allen Dingen aufgrund seiner Dynamik und Transparenz Emotionen weckt. Als Wermutstropfen geht freilich der Preis durch. Bekanntlich sind die letzten Millimeter des Entwicklungspfades die teuersten, was bedeutet, dass auf die Spitze getriebene Kompromisslosigkeit eigentlich nie im herkömmlichen Sinne preiswert sein kann – ein Schicksal, welches sich die Illusion mit anderen hochgezüchteten Highend-Preziosen oder generell Luxusgütern teilt. Wer in der glücklichen Lage ist, eine fünfstellige Summe für eine bis in letzte ausgefeilte Vorstufe zu investieren, ohne das Konto zu überreizen, sollte sich die Krell einmal anhören – viel perfekter geht’s wohl kaum.

Der Krell Duo 300 lässt sich zwar ebenso wenig für ein Taschengeld ins heimische Rack locken, aber dennoch durchaus als preiswert bezeichnen: Wer eine Endstufenlösung sucht, die kraftvoll-dynamisch jeden Lautsprecher antreibt, der nicht bei drei auf dem Baum ist, mit einer Basswiedergabe in „Referenzqualität“ gesegnet ist und obendrauf absolut kompromisslos präzise, schnell und neutral agiert sowie gänzlich frei von nervigen „Störstellen“ ist, wird sich jedenfalls auf hörbare Abstriche gegenüber dem Duo 300 einstellen müssen, wenn er in tieferliegenden Preisgefilden sucht. Ausnahmen mögen sich da allenfalls Hörern bieten, die nach einer klanglichen Schlagseite oder „Klangwürze“ und damit eben bewusst nach Abweichungen vom Neutralitätsgebot suchen. Gönnen Sie dem Duo 300 Spielpartner auf Augenhöhe: Der 300er ist wie die Illusion ein Präzisionswerkzeug, das selbst ungemein „fehlerarm“ zu Werke geht, aber eben die Fehler anderer Elektronik oder von Lautsprechern auch nicht zu kaschieren oder gar beschönigen vermag. Obwohl: Zur Vitalisierung dynamisch müder oder „verhangen“ spielender Ketten taugt dieser hochtransparente Energiebolzen ohne Frage …

Last but not least: Ich vermute, dass der Krell Duo 300 eine recht lange Einspielzeit benötigt. Mein Testgerät kam direkt von einer anderen Redaktion zu mir, so dass man bereits von einer längeren Vorlaufphase ausgehen sollte, dennoch gestaltete sich der Vortrag des Amps nach den ersten ein-zwei Wochen noch merklich flüssiger und geschmeidiger.

Jörg Dames,
fairaudio.de

Lesen Sie den vollständigen Testbericht hier:
Testbericht fairaudio.de 11/2014